Brandenburg ist ja besonders durch seine Zuneigung zu Großprojekten bekannt. Weil abzusehen war, dass der Große Preis von Deutschland irgendwann neu ausgeschrieben würde, baute man eine Rennstrecke, um mit den beiden etablierten Anbietern in Konkurrenz treten zu können, weil Computer gerade in waren, setzte man eine Chipfabrik in den märkischen Sand, und weil es hätte sein können, dass jemand große Lasten durch die Luft transportieren will, baute man eine Luftschiffwerft, die zwischenzeitlich als Freizeitparadies eine zweite Karriere versucht.

Bei der Luftschiffproduktion war man sehr konsequent. Man hat erst mal die Fabrik gebaut, schöne Trickfilme produziert, den Auftrag für die Entwicklung des Anbaukrans vergeben und auch ansonsten jede Menge Geld ausgegeben. Über die Kernfragen hat man sich bis dahin noch keine Gedanken gemacht. Sowas hat ja schließlich Zeit. Wie man das Luftschiff vorwärtsbewegt und lenkt, hat sich erst im laufenden Prozess zu ergeben. Leider gab es ein paar völlig verbohrte und humorlose Investoren, die der Ansicht waren, dass jemand, der im Vierteljahresrythmus den Vorschlag für das Lenkkonzept wechselt, konzeptlos ist und damit nicht zukunftsfähig. Dabei hat man doch nur zwischen zwei Varianten gewechselt: Lenkung mit Höhen- und Seitenruder oder Lenkung mit schwenkbaren Propellern. Es wäre nur noch zu klären gewesen, wie man schwere Motoren oder 40m große Höhen- und Seitenruder an einem dünnen Papiersack befestigt. Aber die ungeduldigen Menschen wollten nicht, und so starb das Projekt an Geldmangel.

Nun hat die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg festgestellt, dass es einen Bolognaprozess gibt, und es nicht auszuschließen ist, dass jemand an einer Uni einen FH-Studiengang absolvieren möchte oder umgekehrt. Außerdem fiel ihr auf, dass es in der Lausitz Energiewirtschaft gibt. Da beschloss sie, drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: In der Lausitz die altmodischen Hochschultypen Uni und FH abzuschaffen, eine Bolognauniversität zu gründen und diese Energieuniversität zu nennen. Weil es ein echtes Brandenburger Großprojekt werden soll, spart sie nicht mit Buzzwords, bunten Bildern und jeder Menge Werbung. Die Frage, wie eine solche Hochschule aussehen, finanziert werden oder gar funktionieren soll, verschiebt sie bewusst in die Zeit nach der Gründung. Wo kämen wir denn hin, wenn wir vorher schon wüssten, was wir wollen. „Bis man weiß, wohin man will, werden nach der Neugründung vermutlich schon noch zwei Jahre vergehen.“[1] Außerdem sollen – Frau Kunst betont dies immer wieder und vehement – sich das die Mitglieder der neuen Hochschule selber überlegen. Als zielstrebige Ministerin macht man da selbstverständlich keine Vorgaben. Wir sind ja schließlich in Brandenburg. Da dürfen die Kernfragen erst geklärt werden, wenn das Projekt bereits gescheitert ist.


PS: Ein ehemaliger Mitarbeiter von Cargolifter hat mir verraten, dass man genau zu dem Zeitpunkt, als der Bankrott feststand, endlich die Idee hatte, wie man ein Kielluftschiff dieser Größenordnung vielleicht lenken könnte.


[1] Sabine Kunst in „Wir wollen einen Leuchtturm in der Lausitz; Wissenschaftsministerin Sabine Kunst über die Finanznot der Hochschulen und über die Gründung einer neuen Universität“, Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) vom 07.03.2012.

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