„Warum ist der Mensch eigentlich so misstrauisch gegenüber der Landesregierung?“ werden sich manche fragen. Nun ja. Da könnte auch so etwas wie Vererbung mitspielen … und ein Hut:

 Mein Vorfahr Johann Philipp Kemm (1715-1786) war seit 1752 als Nachfolger seines Vaters Johann Christoph Kemm (1682-1752) Schultheiß unseres Dorfes. Es war noch nicht lange her, dass der Markgraf von Baden seine neue Residenz mitten in den Wald, den Hardtwald, gesetzt hatte. Irgendwann machte er den Schultheißen der nördlichen Hardt den Vorschlag, dass er einen Zaun um den Wald setzen lässt, er schütze ja ihre Felder vor Wildschäden. Ein echtes Bekenntnis zu den Hardtgemeinden. Er lud sie nach Karlsruhe ins Schloss ein, um darüber zu reden und möglichst den Vertrag unter Dach und Fach zu bekommen. Dort wurden sie aufs beste beköstigt und mit edlen Weinen versorgt. Mein Vorfahr warnte seine Kollegen: „was der Markgraf einzäunt, das gehört ihm irgendwann.“ Allein, der Wein tat seine Wirkung,. die Bereitschaft zur Unterschrift wuchs. Als mein Vorfahr merkte, dass es eng würde, schlich er sich unter dem Vorwand der Notdurft aus dem Schloss. Da er keinen Verdacht erregen wollte, ließ er seinen Hut am Haken hängen.

 Um es kurz zu machen: Mein Heimatdorf ist das einzige am Hardtwald, das dort noch eigenen Wald besitzt, und jeder neu gewählte Grabener – seit 1972 Graben-Neudorfer – Bürgermeister bekommt zu seinem Amtsantritt einen Hut geschenkt, den Waldhut.

 Wir schreiben das Jahr 2012. Ich bin seit einigen Jahren in der Lausitz und engagiere mich in den Gremien der BTU Cottbus. Es ist nicht lange her, dass in Potsdam der Ministerpräsident die Präsidentin der dortigen Uni zur Wissenschaftsministerin erhoben hat. Nun macht sie den Vorschlag, die Lausitzer Hochschulen zusammenzulegen. Ein echtes Bekenntnis zur Lausitz…..

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