Rolf Dobelli hat nachgelegt. Nach der Kunst des klaren Denkens [1] nun Die Kunst des klugen Handelns [2]. Dort widmet er auch ein Kapitel strategischen Falschangaben und der Frage, warum immer derjenige den Job, den Zuschlag, seinen Willen oder ganz einfach Recht bekommt, der die meiste heiße Luft produziert, wo große Versprechungen für Zeitpläne, Erfolgsquoten etc. gemacht werden, die sich nie und nimmer erfüllen lassen.  Er schreibt

Am anfälligsten für strategische Falschangaben sind Megaprojekte, bei denen a) niemand so richtig die Verantwortung trägt (weil zum Beispiel die Regierung, die das Projekt in Auftrag gegeben hat, schon lange wieder abgewählt wurde), Projekte, in die b) viele Unternehmen eingebunden sind, die sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben können, und bei denen c) die Fertigstellung frühestens in ein paar Jahren erwartet wird.

Für die Punkte b) und c) ist im Falle der Hochschulfusion gesorgt. Es wurden und werden mehrere Kommissionen eingesetzt, das Ministerium spielt mit, und die Hochschulen werden zwangsweise beteiligt. Da diese am längsten dabei sein werden, wird man ihnen am Ende auch die Schuld geben. Damit ist b) abgehandelt. Zu Punkt c) hat die Ministerin bereits gesagt: „2013 wird allerdings erst der Startpunkt einer Entwicklung, die von den Leuten vor Ort mit sehr viel Freiheit ausgestaltet werden muss. … Bis man weiß, wohin man will, werden nach der Neugründung vermutlich schon noch zwei Jahre vergehen.“ Das Ergebnis kann also frühestens nach der nächsten Wahl feststehen.

Als Mittel zum Schutz vor solchen Falschangaben empfiehlt Dobelli

Betrachten Sie Laufzeit, Nutzen und Kosten vergleichbarer Projekte, und verlangen Sie eine Begründung, warum der vorliegende Plan so viel optimistischer ist. Geben Sie den Plan einem Finanzmann, der ihn gnadenlos zerpflückt. Nehmen Sie eine Klausel in den Vertrag, der scharfe Geldstrafen für Kosten- und Terminüberschreitungen vorsieht. Und lassen Sie sich die Geldstrafe sicherheitshalber schon mal auf ein Sperrkonto überweisen.

Nun sollte sich die Höhe dieser Geldstrafen an der Höhe der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen orientieren. Bei Hochschulfragen sind das – die volkswirtschaftlichen Folgen eingerechnet – schnell mal Milliardenbeträge. Hat schon jemand die finanziellen Verhältnisse von Herrn Platzeck und Frau Kunst eruiert?

Literatur:

  1. Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens, Carl Hanser Verlag (2011)
  2. Rolf Dobelli: Die Kunst des klugen Handelns, Carl Hanser Verlag (2012)
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