Wer im Mittelalter studieren wollte, musste zuerst die sieben freien Künste lernen. Die erste davon ist die Grammatik, die Kunst, sprachlich richtige und verstehbare Sätze zu bilden bzw. solche zu analysieren. Die zweite freie Kunst ist die Rhetorik, die Kunst der Beredsamkeit, die es als Stilmittel auch erlaubt, Abweichungen von der korrekten Grammatik einzusetzen.

Ein schönes Beispiel dafür gab gestern bei der Podiumsdiskussion im neuen Cottbuser Stadthaus die brandenburgische Wissenschaftsministerin. Auf die mehrfach geäußerte Bitte, den Nutzen der Hochschulfusion in einem Satz zusammenzufassen, antwortete sie mit einem jeweils  anderen sehr langen Satz, der nicht nur mit seiner Länge, sondern auch in der Häufigkeit des Einsatzes rhetorischer Mittel wie Ellipse und Anakoluth selbst Cicero und Seneca beeindruckt hätte.

Ich möchte vorschlagen, dass jemand die Sätze verschriftlicht, sodass die Bildungsministerin diese im kommenden Deutschabitur grammatisch und rhetorisch analysieren lassen kann, eine sicherlich hinreichend anspruchsvolle Aufgabe. Nachdem es gestern niemand gelungen war, schafft es vielleicht einer der Abiturienten herauszufinden, was die Ministerin eigentlich sagen wollte.

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